Dienstag, 10. April 2012

Interpretation: Iphigenie auf Tauris

Ich weiss nicht recht, was ich zum Drama 'Iphigenie auf Tauris' schreiben soll. Es hat mich weder völlig überzeugt, noch bin ich enttäuscht. Einerseits finde ich solche Geschichten immer mühsam zu Lesen, da ich meine volle Konzentration benötige, andererseits bin ich nachher trotzdem froh ein weiterer Teil der wichtigen deutschen Literatur gelesen zu haben.

Ein Punkt, der mich wohl am meisten beschäftigt, ist der Fluch, mit dem Iphigenie und vor allem Orest zu kämpfen haben. Leider kenne ich mich nicht genug aus, um meine Fragen wirklich zu beantworten. Ich will einfach nicht recht glauben, dass die Griechen dachten, sie können nichts an ihrem Schicksal ändern. Was bezwecken solche Sagen und Mythen, wenn einer der Schlüsse, die man daraus ziehen muss, das Unvermögen des Menschen gegenüber den Göttern ist. Wenn Iphigenies Familie sozusagen keine Chance gegen diesen Fluch hatte, wie soll denn bei der Geschichte ein gutes Ende rauskommen? Kann es nur mit dem Sieg der Wahrheit über die Lüge zu tun haben?

Es gibt zwei wichtige Momente, in welchen die Ehrlichkeit zum Vorschein kommt. Wenn Orest seinen wahren Namen nicht genannt hätte, hätte die Geschichte wohl kein gutes Ende gehabt; und wenn Iphigenie sich nicht entschlossen hätte, dem König ihr Plan zu offenbaren, will ich mir nicht vorstellen was passiert wäre, wenn Thomas sie dabei erwischt hätte. Trotzdem glaube ich nicht, dass dieses Stück eine Art Appell zur Ehrlichkeit ist. Ich sehe Iphigenie eigentlich als 'Retterin' ihrer Familie, oder ist es doch nicht eher die Göttin Diana, die sich ihrer erbarmt hatte? Wie viel tragen die Menschen der griechischen Mythologie effektiv zu ihrem Schicksal bei?

Für mich ist ein solches Denken einfach alles andere als aufklärerisch. Daher verstehe ich Goethes Faszination für die Mythologie nicht ganz. Sturm und Drang war ja eine Zeit, in der der Mensch begann sich selbst eine gewisse Verantwortung zu geben, doch ich sehe keine Parallelen zur Aufklärung, ausser vielleicht, dass nicht mehr der christliche Glaube im Zentrum stand. Klar ist die Iphigenie ein Zeichen der Vernunft, doch beim Lesen des Dramas glaubte ich der Selbstständigkeit der Charakter nicht wirklich. Als wäre die Geschichte schon vorher aufgeschrieben und der Personen Schicksal bestimmt worden. Vielleicht hat das auch einfach mit dem Schreibstil zu tun. Man kann und soll sich nicht in die Charakter hineinführen. Sie scheinen Marionetten zu sein, die sich ihrem anfangs so traurigen Schicksal nicht entgegenstellen können.

Solche Fragen kann ich mir nur beantworten, indem ich mir das Spiel auf der Bühne vorstelle und da es sich bei der 'Iphigenie' nicht wirklich um ein Drama handelt, hat es mich nicht so zum Nachdenken angeregt.




Sonntag, 1. April 2012

Feedback: Lesung

Letzten Dienstag war ein deutscher Schriftsteller namens Christian von Aster am Liceo zu Besuch. Ich bin grundsätzlich immer sehr skeptisch eingestellt, wenn eine Lesung stattfindet, obwohl man mich eigentlich relativ schnell mehr oder weniger überzeugen kann, aber nur weil ich froh um jede Abwechslung bin in meinem öden Schulalltag. Vielleicht hat es auch mit der letzten Lesung zu tun, bei der mich Pedro Lenz sehr positiv überrascht hat. Zugegeben, viele Schweizer Autore sind nun mal einfach todlangweilig, jedenfalls war das mein Eindruck nach den neun Jahren Volksschule.

Ohne grosse Erwartungen sass ich im Saal, einfach nur glücklich mich nicht im Mathematikunterricht langweilen zu müssen.

Mein erster Eindruck? Nun gut, ich dachte, er habe einen tollen Hut. Das schreibe ich jetzt nur, da ich weiss, dass er das lesen wird. Aber in Wirklichkeit machte ich grosse Augen, als der Mann zu lesen begann. Was für eine Stimme! Wir wissen ja alle, dass die Deutschen nicht so lahm sind wie wir Schweizer - zumindest beim sprechen - doch ich hing vom ersten Wort an sofort an seinen Lippen. Vermutlich hat es auch damit zu tun, dass ich selber singe und mich auch gesprochene Sprache wie Singen beeindrucken kann, oder besser gesagt, eine gute Sprechstimme ist vielleicht sogar eine Art Gesang.

Eigentlich wollte ich schreiben was mir am besten gefiel, doch ich kann mich nur noch wirklich an die Gedichte erinnern, was wahrscheinlich auch etwa das gleiche ist. Seit ich meine eigenen Lieder schreibe, neuerdings auch auf Deutsch, interessiere ich mich sehr für die Dichtkunst. 'Falsch' angewendete Silben - vor allem in Liedern - gehen mir nicht aus dem Kopf und tun mir im Ohr weh. Herrn von Aster's Gedichte waren sehr schön. Ich genoss es, seinen Worten zu folgen, die er zu lustigen, aber auch spannenden Geschichten zusammenfügte.

Nun, es war nicht meine Absicht, so positiv von der Lesung zu berichten, trotzdem fällt mir im Moment nicht wirklich Negatives dazu ein. Ich bin mir voll und ganz bewusst, wie sehr ich wie ein Arschkriecher töne, musste aber schon ein wenig schmunzeln, als er sagte, sein Ziel sei, Schüler, die normalerweise Lesungen Scheisse finden, richtig überzeugen zu können, sodass sie seine 'geil' fänden.

Sonntag, 25. März 2012

Gedicht 'Prometheus' in Mundart

Vätunklä dä Himml
Mit schwarze wulchä
Wänns dr froid macht Zois
Riiss Bärgä ii
Wiä n buäb wo mit m mässr spilt
Abr mis Land und mini Hütte
Wo d niid sälbr bout häsch
und mich doch eh nur drum beniidsch
Musch staa laa

Ich känn nüüt Ärmers, nüüt Behindärtrs
Uf därä Wält als oi Göttr
Ir ernäred oi jämmerlich
Vo Stüürä
Und Gebät
Hämmigsloos nämädr Chind
Bättlr, Pennr und Tummchöpf uus

Woni no es Chind xii bi
Und no nüüt vom läbä tschäggt ha
Ha ni zu oi uägluegt
Glaubt und ghofft das Öppr mis chlagä ghöört
Ständig ha ni bi oi nachämä Härz xuächt
Es Härz wi miis
Und tänkt es wür sich öppr für mich intressiärä

Händ iir miir jemals ghulfä
Wär hät mich us de Gfangäschaft
Vo chrankä Psüchopatä und Sklavähändlr befreit
Du weisch gnau das ichs alläs sälbr gmacht ha
Ich ha glittä wi blöd
Und miis Härz isch schiär druffgangä
Und was händ iir gmacht
Fuuli Seck sindr

Warum sött ich dich respektiere
Häsch du jemals miini Schmerzä glinderet
Häts diich übrhaupt kratzt miich liidä zxee
Häsch jemals d Tränä beachtet
Wo i Strömä über miis Xicht gloffä sind

Iir händ gnau nüüt dezuä biitreit
Das ich n Maa wordä bi
Nur d Ziit, d Schmärzä und s Schicksal
Miini Härrä wo sogar au übr diir stönd

Häsch wüki tänkt ich väziä mi
Nur wil nijd alles so gloffe isch winis welä ha
Ich bi käs chind me
Miini Jugendtroim sind echo lang lang platzt

Drum hock ich ez da und mach sälbr Mänsche
Mänschä
Wo sind wi iich
Si xeend us wi iich
Liidäd wi iich
Brüäläd wi iich
S Läbä gnüüssäd und sich froiäd wi iich
Mänschä
Wo dich verachtäd und nüüt vo oi haltäd
Wi iich



Sonntag, 18. März 2012

Rückblick (Die Leiden des jungen Werthers)

Es fällt mir nicht leicht, meine Gedanken über dieses Buch zu ordnen. Einerseits finde ich den Aufbau und die Struktur sehr 'schön', andererseits war es teilweise auch sehr mühsam für mich zu lesen, da mir solche Gedankengänge und Vorstellungen, wie die, des Werthers, recht fremd sind. Ich wüsste vermutlich nicht, wie mit so dauernd jammernden Menschen umzugehen. Ich bin grundsätzlich auch eher emotional veranlagt, finde es aber trotzdem nur noch lächerlich und lästig, wenn jemand wie Werther seine Erlebnisse und Gefühle so schildert.

Dennoch bin ich sehr beeindruckt von Goethes Schreibstil und Ideen. Manche Textpassagen, wie zum Beispiel, der Beschrieb des Wetters, sind gewaltig. Er schreibt von Gottes Schöpfung und deren Pracht, später aber dann vom Himmel als ein ewig wiederkäuendes Ungeheuer. Ich habe beim Lesen oft gemeint, ich begreife und empfände ein Teil von Goethes Freude an der Schreibkunst.

Was mir auch besonders gefallen hat, ist der Übergang zur Erzählung aus seiner Perspektive. Ich habe mir den Schluss nicht recht vorstellen können, da ich zwar von seinem tragischen Ende wusste, mir aber nicht vorstellen konnte, wie Goethe das lösen wollte.

Ich schreibe selber oft Gedichte und Songtexte und bin daher sehr interessiert an Werken alter Meister. Meine Lieder sind meist sehr emotional und ich sympathisiere auch mit Menschen, die zu ihren Gefühlen stehen, aber wenn ich ehrlich bin, kam ich beim Werther an meine Grenzen. Er ist viel zu egoistisch und völlig verblendet, von seinen Vorstellungen. Trotzdem gab mir die Geschichte sehr zu Denken, da es wohl Millionen von Menschen gibt, die so Leiden wie der junge Werther, wenn nicht schlimmer, und so finde ich Werthers Suizid umso egoistischer, denn meiner Meinung nach gibt es immer Leute, denen es noch schlechter geht. Daher ist der Selbstmord für mich eine Art Flucht und Aufgeben, keine Lösung.

Sonntag, 4. März 2012

Antwort auf Werthers Brief vom 27. Julius

Mein lieber Freund,

Lange ist es her, seit ich das letzte Mal solch freudige Worte von dir vernommen habe. Ich bin zutiefst gerührt, dass dein Herz endlich ein Platz in Gottes herrlichen Schöpfung gefunden hat. So wünsche ich dir viel Erfolg und fiebere mit dir. Geniesse jeden Augenblick, wenn der Himmel die Erde berührt und schliess die Momente und Erinnerungen in die tiefsten Tiefen deiner Seele und deines Herzens ein, sodass sie dir kein böser Mensch rauben kann. Gib jedoch Acht, dass du ihr nicht zu sehr verfällst, denn wisse: Sie könnte dein kleines Herzchen innerhalb weniger Augenblicken zerreissen. Trotzdem viel Glück und weiterhin Gottes Segen auf deinem Weg. Komme heil zurück und grüsse Lotten von mir.