Sonntag, 18. März 2012

Rückblick (Die Leiden des jungen Werthers)

Es fällt mir nicht leicht, meine Gedanken über dieses Buch zu ordnen. Einerseits finde ich den Aufbau und die Struktur sehr 'schön', andererseits war es teilweise auch sehr mühsam für mich zu lesen, da mir solche Gedankengänge und Vorstellungen, wie die, des Werthers, recht fremd sind. Ich wüsste vermutlich nicht, wie mit so dauernd jammernden Menschen umzugehen. Ich bin grundsätzlich auch eher emotional veranlagt, finde es aber trotzdem nur noch lächerlich und lästig, wenn jemand wie Werther seine Erlebnisse und Gefühle so schildert.

Dennoch bin ich sehr beeindruckt von Goethes Schreibstil und Ideen. Manche Textpassagen, wie zum Beispiel, der Beschrieb des Wetters, sind gewaltig. Er schreibt von Gottes Schöpfung und deren Pracht, später aber dann vom Himmel als ein ewig wiederkäuendes Ungeheuer. Ich habe beim Lesen oft gemeint, ich begreife und empfände ein Teil von Goethes Freude an der Schreibkunst.

Was mir auch besonders gefallen hat, ist der Übergang zur Erzählung aus seiner Perspektive. Ich habe mir den Schluss nicht recht vorstellen können, da ich zwar von seinem tragischen Ende wusste, mir aber nicht vorstellen konnte, wie Goethe das lösen wollte.

Ich schreibe selber oft Gedichte und Songtexte und bin daher sehr interessiert an Werken alter Meister. Meine Lieder sind meist sehr emotional und ich sympathisiere auch mit Menschen, die zu ihren Gefühlen stehen, aber wenn ich ehrlich bin, kam ich beim Werther an meine Grenzen. Er ist viel zu egoistisch und völlig verblendet, von seinen Vorstellungen. Trotzdem gab mir die Geschichte sehr zu Denken, da es wohl Millionen von Menschen gibt, die so Leiden wie der junge Werther, wenn nicht schlimmer, und so finde ich Werthers Suizid umso egoistischer, denn meiner Meinung nach gibt es immer Leute, denen es noch schlechter geht. Daher ist der Selbstmord für mich eine Art Flucht und Aufgeben, keine Lösung.

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