Sonntag, 27. März 2011

Die 'Stadt' Güllen

Zügen nachschauen - ein besseres Hobby könnte ich mir nicht ausdenken. Die 'Stadt' Güllen ist ein verlassener, scheinbar hoffnungsloser Ort. Schon während den ersten Paar Zeilen bildet sich der Leser ein, irgendwo im Nirgendwo zu sein. Und dieser Name! Man hat das Gefühl, sich im dümmsten 'Kaff' der Welt zu befinden.

Der Bahnhof, an welchem nur selten Züge, die auch nicht von grosser Bedeutung sind, halten, scheint noch das Spannendste zu sein. Das Dorf ist wirtschaftlich wahrscheinlich völlig abgekoppelt und man würde sich wundern, wenn dessen Namen auf irgendeiner Karte überhaupt vorhanden wäre. Das Ganze ist natürlich masslos übertrieben und daher ist da Stück auch auf seine art witzig.

Die Bürger haben jegliche Ambition und Hoffnung aufgegeben, ausser die Hoffnung auf die Rückkehr der Claire Zachanassian, der Milliardärin. Daraus kann man schliessen, dass es in diesem Stück einmal mehr um Geld, Macht und Verzweiflung gehen wird. Die Frau Zachassian hat sich lange auf diesen Tag vorbereitet, wie man im Verlauf des 1. Akts immer mehr begreift, denn wahrscheinlich hat sie seit dem Tag als sie Güllen verliess, Rache geschworen, womöglich war das der einzige Grund, warum sie zu so viel Geld kommen wollte. Als Milliardärin hat sie einiges in der Hand und das weiss sie. Vielleicht ist sie allein Schuld, dass Güllen verarmt ist. Sie hat womöglich alles aufgekauft und eingehen lassen, sodass die Bürger in ihrer Notlage bereit sind, unvorstellbare Dinge zu tun, wie zum Beispiel den Ill ermorden.

Am Ende des 1. Akts ahnt man schon den Verlauf der Geschichte, denn wie man sagt, Geld regiert die Welt und das wird ziemlich sicher in diesem einmal mehr bewiesen. Das Wiederkommen der Klara würde auch kein Mensch interessieren, wenn sie kein Geld hätte. Der Einzige, der sie richtig zu kennen glaubt, ist Alfred Ill, aber auch für ihn wäre das Ganze kaum von Bedeutung, aber er bangt um das Schicksal Güllens, oder besser um sein Eigenes.

Die Stimmung im Dorf ist bedrückend und angespannt, obwohl die 4 Personen am Anfang gelangweilt sind. Die Leute im Dorf sind allgemein ein wenig verklemmt und scheinen einander nicht zu trauen, denn sobald der Mensch in Not ist, sorgt er sich kaum noch für Andere. Nur für den Besuch der alten Dame tun sie sich zusammen, um ihr Image zu verbessern. Ihre Willkommensfeier ist jedoch kläglich, denn sie ist völlig gespielt und oberflächlich, was im Buch extra speziell hervorgehoben wird, zum Beispiel bei der Szene mit dem Zylinder, der zwischen den Männern, während sie sprechen, im Kreis umgeht. Da die Frau Zachanassian zu früh kommt, sind weder die Musiker noch die Enkelkinder parat, deshalb wirkt alles noch komischer. Dürrenmatt übertreibt vieles, sodass man oft schmunzeln muss.

Ich konnte mir von Anfang an die Charakter gut vorstellen. Der Bürgermeister ein typisches Beispiel für einen bemühten, wenig hilflosen Mann, der aber noch viel Wert auf seine Ehre legt, das merkt man spätestens bei seiner empörten Reaktion auf den Deal der Milliardärin, dennoch klingt er nicht ganz überzeugt. Sein Umgang mit den Mitbewohnern ist zwar angenehm, jedoch sehr oberflächlich. Als er Ill sozusagen zu seinem Nachfolger bestimmt, merkt man auch wie gespielt schmeichelhaft er spricht, wahrscheinlich um ihm mehr Verantwortung zu geben, bei dem Besuch Zachanassians.

Alles zusammen ist schon sehr ironisch geschrieben, auch die Szene mit dem Gespräch über Prothesen usw. Ausser der Klara sind alle unruhig und unsicher, wie mir scheint, das verleiht ihr umso mehr Macht. Die Unsicherheit nimmt sicherlich noch zu, in dem Moment, wenn sie nach dem Gericht den Raum verlässt und die Gelassenheit in Person spielt. Sie ist sich jedenfalls sicher, dass ihr Plan funktionieren wird und damit hat sie wahrscheinlich nicht unrecht.

1 Kommentar:

  1. Zwei Bemerkungen zur Form deines Blogs:

    Ich würde dir raten den Titel nicht im 'normalen' Text zu schreiben, sondern dafür die vorgesehene Zeile zu verwenden - Das macht deinen Blog lesbarer.

    Ich bewerte das Design nicht mit. Aber: Du arbeitest schon eine Weile mit diesem Blog und wirst es wohl auch noch eine Weile machen. Von dem her könntest du von dieser standardweissen Ansicht hin zu etwas anderem wechseln, nicht?

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