Sonntag, 23. Januar 2011

Gedichtauswahl

Schiller: Der Pilgrim

Noch in meines Lebens Lenze
War ich, und ich wandert' aus,
Und der Jugend frohe Tänze
Ließ ich in des Vaters Haus.

All mein Erbtheil, meine Habe
Warf ich fröhlich glaubend hin,
Und am leichten Pilgerstabe
Zog ich fort mit Kindersinn.

Denn mich trieb ein mächtig Hoffen
Und ein dunkles Glaubenswort,
Wandle, rief's, der Weg ist offen,
Immer nach dem Aufgang fort.

Bis zu einer goldnen Pforten
Du gelangst, da gehst du ein,
Denn das Irdische wird dorten
Himmlisch, unvergänglich sein.

Abend ward's und wurde Morgen,
Nimmer, nimmer stand ich still;
Aber immer blieb's verborgen,
Was ich suche, was ich will.

Berge lagen mir im Wege,
Ströme hemmten meinen Fuß,
Über Schlünde baut' ich Stege,
Brücken durch den wilden Fluß.

Und zu eines Stroms Gestaden
Kam ich, der nach Morgen floß;
Froh vertrauen seinem Faden,
Werf' ich mich in seinen Schooß.

Hin zu einem großen Meere
Trieb mich seiner Wellen Spiel;
Vor mir liegt's in weiter Leere,
Näher bin ich nicht dem Ziel.

Ach, kein Steg will dahin führen,
Ach, der Himmel über mir
Will die Erde nicht berühren,
Und das Dort ist niemals hier!

Schiller: Der Kampf

Nein, länger werd' ich diesen Kampf nicht kämpfen,
Den Riesenkampf der Pflicht.
Kannst du des Herzens Flammentrieb nicht dämpfen,
So fodre, Tugend, dieses Opfer nicht.

Geschworen hab ich's ja, ich hab's geschworen
Mich selbst zu bändigen.
Hier ist dein Kranz, er sei auf ewig mir verloren!
Nimm ihn zurück und lass mich sündigen!

Zerrissen sei, was wir bedungen haben!
Sie liebt mich - deine Krone sei verscherzt!
Glückselig, wer, in Wonnetrunkenheit begraben,
So leicht, wie ich, den tiefen Fall verschmerzt!

Sie sieht den Wurm an meiner Jugend Blume nagen,
Und meinen Lenz entflohn,
Bewundert still mein heldenmütiges Entsagen,
Und großmutsvoll beschließt sie meinen Lohn.

Misstraue, schöne Seele, dieser Engelsgüte!
Dein Mitleid waffnet zum Verbrechen mich.
Gibt's in des Lebens unermesslichem Gebiete,
Gibt's einen andern, schönern Lohn, als dich?

Als das Verbrechen, das ich ewig fliehen wollte? -
Tyrannisches Geschick!
Der einz'ge Lohn, der meine Tugend krönen sollte!
Ist meiner Tugend letzter Augenblick!


Klopstock: Der Zürchersee (1.-,8.-,18.-,19. Strophe)


Schön ist, Mutter Natur, deiner Erfindung Pracht
Auf die Fluren verstreut, schöner ein froh Gesicht,
Das den großen Gedanken
Deiner Schöpfung noch einmal denkt.

Göttin Freude, du selbst! dich, wir empfanden dich!
Ja, du warest es selbst, Schwester der Menschlichkeit,
Deiner Unschuld Gespielin,
Die sich über uns ganz ergoß!

Wäret ihr auch bei uns, die ihr mich ferne liebt,
In des Vaterlands Schoß einsam von mir verstreut,
Die in seligen Stunden
Meine suchende Seele fand;

O so bauten wir hier Hütten der Freundschaft uns!
Ewig wohnten wir hier, ewig! Der Schattenwald
Wandelt, uns sich in Tempe,
Jenes Tal in Elysium!

Sonntag, 9. Januar 2011

Der Wahnsinn

Ich schlage nicht die Augen auf
Ich wage keinen Blick ins Licht
Denn alles was ich mir erdacht
Es hat mir Licht ins Herz gebracht

Wozu brauch' ich Helligkeit
Freude, die von aussen kommt
Hustenanfall, Übelkeit
Reissen mich zurück ins Bett

Die Augen aufgerissen
Der Puls geht rasend schnell
Das Schweissgetränkte Kissen
Das Schweigen des Gebrülls

Ein wirrer Traum, so lebensecht
Ein Birnenbaum, das reimt sich schlecht
Was kann ich tun, ich bin verrückt
Auch wenn der Wahnsinn Blumen pflückt